So alleine unter all den Menschen.

Ich höre nichts. 
Nur Musik.
Musik, die tief eindringt in meinen Körper. 
Irgendwelche Wellen schlagen lässt.
Ich sitze hier und fühle mich geborgen, bei mir. 
Als wäre ich alleine. 
Und doch sind so viele Menschen um mich.
Geniessen ihre ersten Frühlingstage in diesem Jahr.
Fremde Menschen.
So sitze ich am Rhein.
Am Wasser.
Und meine Gedanken wippen zur Musik.
Die melancholischen Klänge prägen mein Gemüt. 
Ich bin froh, muss ich keinen Bedürfnissen gerecht werden. 
Kann niemand etwas fordern. 
Niemand mich beeinflussen. 
Wo es mir doch selber schwer fällt, zu spüren was ich will.
Und doch, niemand ist alleine. 
Darf man alleine sein?
Kann man alleine sein?
Muss man alleine sein?
Will man alleine sein?
Alle diese Menschen, die sich treffen und kommunizieren. 
Mit Wörtern, Sätzen, Blicken, schweigen. 
Gedanken, Ereignisse, Geschichten. 
Und was ändert sich dadurch. 
Nichts?
Banalitäten des Alltags. 
Vogelgezwitscher und Wasserrauschen.
Wenn die Musik aufhört.
Vogelgezwitscher, Wasserrauschen und Menschengeflüster.
Menschengezwitscher. 
Klänge.
Die zu mir getragen werden, meinen gelebten Moment prägen, beeinflussen. 
Sonne, Wärme, Luft, Wind. 
Die meinen Körper streicheln, meinen gelebten Moment versüssen oder stören. 
Und was machen die Augen? Sie sehen. 
Aber weniger beeinflusst mich das sehen als das spüren. 
Meinen Körper selber, spüre ich auch. 
Mein Knie, das mein Bein anwinkeln lässt. 
Und mein Unterschenkel, der unter meinem anderen Bein liegt und langsam beginnt taub zu werden.
Wie dieses Gefühl eine Verbindung schafft zu meinem Inneren. 
Mich daran erinnert, dass das Bein zu mir gehört. 
Ich es fühlen kann. 
Wie ich mich umsetze und die Gefässe sich langsam wieder entspannen. 
Und die Gedanken. Die ewig kreisenden Gedanken. 
Mein innerer Dialog, der alles kommentiert, bewertet, relativiert.
Der den grössten Einfluss auf jeden meiner gelebten Momente hat. 
Wie ich hier sitze und nichts muss. 
Nichts ausser mir selber genügen. 
Und mich berieseln lassen von all den Klängen und Gefühlen. 
Und die Sonne scheint.
Wie schön die Sonne die Momente macht. 
Die wärmenden Sonnenstrahlen.
Und da ist er wieder, der Lockenkopf. 


Nichts.

Da ist nichts. 
Ich stehe am Rand einer vergangenen Welt und vor mir ist nichts. 
Ich sehe weit und alles erscheint tot. 
Dunkel. 
Weisses Licht zeichnet meinen Schatten in das schwarze Nichts vor mir. 
In die Tiefen, die sich unter der Klippe erstrecken. 
Zurück kann ich nicht. Da ist nichts, zu dem ich zurück will. 
Ich weiss, dass ich den nächsten Schritt machen muss. 
Mich von allem trennen. 
Nicht zurückblicken und einfach weitergehen.
 Aufbrechen in dieses tote dunkle Tal und es mit Leben füllen. 
Mit Neuem. 
Mit Ungelebtem. 
Mit allem, das vorher nicht sein konnte, weil das andere da war. 
Und der Mondschein erleuchtet meinen Rücken. 
Kühl und ruhig. 

30.01.2018
Die schwarze Wand

Da steht sie. 
Die Wand. 
Schwarz und undurchdringlich. 
Wir sitzen auf der Bank und vor uns das Meer. 
Jedenfalls wäre da das Meer, doch alles was wir sehen ist die schwarze Wand. 
Gezeichnet, gebaut, gemalt durch die undurchdringliche Dunkelheit. 
Der Gedanke, dass die Welt dort weitergeht, aber für nichtwissende Augen dort enden könnte, verwirrt mich. 
Objektive, äusserliche Faktoren zeichnen nur den Rahmen, die Konturen. 
Mit welcher Farbe der Moment ausgefüllt wird, bestimmen wir. 
Wir, unsere Wahrnehmung, unsere eigene Realität. 

17.02.2018
Tropfen.

Dicke Wände. 
Dicke, grosse, hohe Wände. 
Dicke, grosse, hohe, breite, stählerne Wände. 
Umgeben mich. 
Umgeben dich?
Dicke grosse hohe breite stählerne wände winden sich vibrierend durch den stechenden Herzschlag. 
Einengend. Einschränkend. 
Abgrenzend? Ausschliessend? 
Gläsern salzige Tropfen tropfen auf den Stahl.
 Langsam gleiten sie herab, sammeln sich, werden viel, werden mehr. 
Die Mehrheit.
 Ein Tropfen alleine.
 Auf der anderen Seite der dicken, grossen, hohen, breiten, stählernen Wände. 
Verstummend. 
Verdunstend.
Wir zwei.

 Gefangen in einer milchigen Seifenblase aus Liebe, Lust und erstickenden Gedanken – abgeschirmt vom Rest der Welt – nur vage dran denkend, was uns alles jenseits, der uns umschliessenden schimmernden Wände, erwartet. 
Harmonie auf einer übergeordneten Ebene gefunden, eingeschüchtert durch die umfassende Macht unsrer Gefühle, leben wir ohne Hektik noch Verpflichtungen langsam und geniessend vor uns hin.
 Doch dann überkommt uns die unvermeidbare Furcht – die Seifenblase wird platzen. 
Und wie frisch geboren, bewegen wir uns hilflos alleine durch die grosse, fordernde Welt. 
Zurücksehnend denken wir an das vertraute, verlorene, milchige Versteck – ohne in Gedanken fähig zu sein das Gefühl zu rekonstruieren. 
Alleine unfähig die Sorglosigkeit der vergangenen Momente zurückzugewinnen – hechten wir zurück, um gemeinsam im dumpfen Nichts zu versinken.

28.04.2013
Abhängig.

Plötzliche, nichtanwesende Anwesenheit. 
Unanwesenheit. 
Abwesenheit.
 Gewohnter Austausch, ungewöhnlich fern. 
Gedanken ohne Empfänger. 
Stille, ferne Distanz. 
Krampfhaft pulsierende Gefühle. 
Laut und kräftig, zähnefletschend wartend. 
Aufschrei, Schrei nach Kommunikation, Schrei nach Gemeinsamkeit, Schrei nach Dir. 
Du. 
Selbstbewusst.
Selbstschuld. 
Selbstlos denkend. 
Selbstlos sein? 
Nein
“Infinite possibilities and all you can do is whine”
“and what I am supposed to do?"
 "What do you think? You can do anything you want to do, because you're alive. What’s a little pain compared to that?"
"It can't be so simple"
“and what if it is..”
(SFU, 4.12) 
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